Sauerbier – Reanimation eines vergessenen Bierstils

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Lambic, Berliner Weiße oder Gose: Sauerbiere sind derzeit international so beliebt wie nie zuvor. Aber was macht sie eigentlich so besonders?

Sauerbiere gibt es nur in Belgien! Das glauben zumindest die meisten Biertrinker. Doch auch hierzulande haben diese hocharomatischen Getränke eine lange Tradition. In Berlin etwa war die „Berliner Weiße“ einst der beliebteste Trunk. Vor 150 Jahren gab es noch rund 200 Brauereien in der heutigen Hauptstadt, die sich auf diesen Bierstil spezialisiert hatten. Dann starb die saure Weiße allerdings fast aus.

Durch die Craft-Bier Bewegung wird auf dem gesamten Globus wieder mit sauren Bierstilen experimentiert – sei es mit uralten Rezepten oder ganz neuen Interpretationen mit wilden Zutaten. In Berlin verschwört sich inzwischen auch eine kreative Braumeisterin der Berliner Weiße. Ulrike Genz will mit ihrer Marke „Schneeeule“ der Stadt ein Kulturgut zurückgeben. Und das ganz ohne die Kombination mit pappsüßen Sirups aus Waldmeister und Himbeere. Dafür rührt die Berlinerin lieber Jasmin oder Holunderblüten in ihren Sud und begeistert damit immer mehr Konsumenten.

Ein weiteres traditionelles deutsches Sauerbier ist die Gose. Geburtsort war vor langer Zeit vermeintlich Goslar im Harz. Dort wurde Bier gebraut mit dem Wasser aus einem kleinen Fluss namens Gose. Etabliert hat sich diese Typologie später im Raum Leipzig. Gewürzt ist eine Gose ursprünglich mit Salz, manchmal auch mit Koriander oder Muskat. Doch egal ob in den USA, Kanada oder den Niederlanden, die Brauer interpretieren und modernisieren den Stil auf ihre Art.

Sauerbiere werden in Belgien schon lange als Aperitif oder als Speisebegleitung genossen. Dort trinken Genießer Lambics, die häufig auch beim Brauvorgang mit Früchten wie Kirschen, Johannisbeeren oder Pfirsichen aromatisiert werden. Oder sogenannte Geuze, die hergestellt wird, indem noch nicht ausgereifte Lambics miteinander verschnitten werden und in der Flasche eine weitere Gärung durchlaufen. Die bekanntesten Marken sind Lindemans und Brasserie Cantillon nahe Brüssel sowie Rodenbach in der Provinz Westflandern.

Wichtigstes Charaktermerkmal der Sauerbiere: Säure und Frische. Nicht selten reifen solche Sude auch mal mehr als zwölf Monate lang im Fass oder in der Flasche. Und sie weisen meist eine langjährige Haltbarkeit vor. Besonders jetzt im Sommer wird der Stil in all seinen Formen wieder besonders hochleben. Ideal passen Gose, Lambic oder Berliner Weiße mit ihren komplexen Aromen auch zum Käse.

Wer mehr dazu erfahren möchte, kann sich von ausgebildeten Biersommeliers oder innovativen Brauern in der place2beer der drinktec noch mehr erzählen lassen oder vielleicht auch das ein oder andere Sauerbier-Erlebnis am Gaumen mitnehmen. Übrigens bilden saure Biere auch Kategorien beim European Beer Star, einer der renommiertesten Bierwettbewerbe der Welt. In 57 verschiedenen Kategorien werden die drei besten Biere ermittelt. Braumeister, Fachjournalisten und Biersommeliers aus 30 Ländern bildet die Jury. Bei der Publikumsverkostung des Awards am 12. September auf der drinktec hat jeder Besucher die Möglichkeit, erstklassige Biere aus der ganzen Welt zu testen und zu bewerten. Bestimmt werden auch trendige Sauerbiere dabei sein.

Mareike Hasenbeck

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