Inkubationszentrum für die weltweite Brauerelite

Uli Benz / TU Muenchen
Gebäude der Brau- und Getränketechnologie ( links) und der Forschungsbrauerei (rechts) Credit: Uli Benz / TU Muenchen

Seit fast tausend Jahren wird auf dem „heiligen Berg“ in Weihenstephan Biergeschichte geschrieben. Aber nicht nur in der angeblich ältesten Brauerei der Welt, auch in der 150 Jahre alten Bieruniversität, die inzwischen immer mehr auf Innovationen setzt. Die kreativsten Sude werden am Weihenstephan-Stand auf der drinktec vorgestellt.

Schon wenn man den „heiligen Berg“ in Weihenstephan besteigt, strömen feine Düfte von Hopfen und Malz in die Nase. Denn hier, rund 30 Kilometer nördlich von München, residiert nicht nur die älteste Brauerei der Welt, sondern auch die renommierte Bier-Universität, in der seit 150 Jahren die internationale Brauerelite ausgebildet wird. Tradition wird hier großgeschrieben. Doch heute beobachten Professoren immer mehr einen Wandel zur neuen Biervielfalt. „Zwar war in unserer Forschung die technische Innovation schon immer ein wichtiges Thema“, sagt Studiendekan Prof. Dr. Horst-Christian Langowski, „aber jetzt ist bei den Studenten ein gesteigertes Interesse im Bereich innovativer Produktentwicklung zu beobachten“.

Nicht umsonst gilt die Studienfakultät der Technischen Universität München in Weihenstephan (TUM) für Getränke- und Lebensmitteltechnologie mit dem Fach Brauwesen seitjeher als Inkubationszentrum für erfolgreiche Star-Brauer. Absolventen des Braumeisterstudiums sahnen mit ihren Brauereien regelmäßig Preise auf der ganzen Welt ab. Und jährlich beginnen rund 200 neue Hochschüler ihre Lehrjahre auf dem heiligen Berg.

Für die meisten Studienanfänger gilt es als Ehre, an diesem Standort zu studieren, dem eine fast 1000-jährige Biergeschichte anhaftet. Im damaligen Benediktiner Kloster tüftelten seinerzeit Mönche an Rezepten, die bis heute Bestand haben. 1803 musste das Kloster in Folge der Säkularisation schließen. Rechte und Besitz gingen an den Staat. So hieß die ehemalige Klosterbraustätte dann „Königlich Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan“. Die Regierung gründete schließlich eine „Musterlandwirtschaft“ mit verschiedenen Schulen. Dazu gehörte auch die Brauerei. Doch wurde die Lehrstätte schnell wieder geschlossen, Jahre später woanders angesiedelt und letztlich 1852 auf dem heiligen Berg wiedereröffnet.

Wenige Jahre später war die Geburtsstunde der hiesigen Studienfakultät Brau- und Lebensmitteltechnologie. 1865 fand in dem Bierimperium der erste „Brauer Cursus“ satt – wenig zu vergleichen mit dem Studium von heute. Das Berufsbild „Brauer“ wandelte sich seitdem massiv. So galt Bierbrauen damals als reines Handwerk, während es sich immer mehr in Richtung Wissenschaft und Technik bewegte. Jetzt müssen IT-Systeme bedient und komplexe Verfahren kontrolliert werden. Durch die Internationalisierung reicht es für viele Brauereien nicht mehr aus, nur gutes Bier herzustellen. Marketing und Verpackung spielen bei Getränken ebenfalls eine Rolle und Produktinnovationen in diesen Bereichen sind gefragt wie nie zuvor. Ein Verfechter für innovative Biervielfalt ist vor allem Prof. Dr. Ludwig Narziß, Doyen der deutschen Brauwissenschaft, ehemaliger Lehrstuhlinhaber und renommierter Lehrbuchautor, der den Studenten predigt: „Es müssen wieder mehr Biere mit Charakter gebraut werden“.

Für die Weihenstephaner Nachwuchsbrauer kein Problem. Das spiegelt sich besonders beim Innovationswettbewerb für Getränke und Lebensmittel (IGL) wieder. Einmal im Jahr können sich Hochschüler dafür anmelden und in drei Kategorien ausleben: Bier, Biermischgetränk oder Alkoholfreies. Ziel ist es ein Getränk zu entwickeln, das es auf dem deutschen Markt noch nicht gibt. Eine hochkarätige Expertenjury bewertet die Produkte. „Unser Wettbewerb entfacht das kreative Feuer in den Studenten“, sagt IGL-Organisator Matthias Ebner, der sich jedes Jahr wieder über die Motivation der Hochschüler freut.

Das Interesse am Studium und vor allem am Thema Bier bekommt gerade einen kräftigen Schub, was auch mit der neuen Bier-Bewegung einhergeht. Dekan Prof. Dr. Horst-Christian Langowski gibt einen Vorgeschmack auf seine Studiengänge: „Wir wollen mit einer fundierten ingenieurswissenschaftlichen Ausbildung dazu beitragen, jungen Menschen die Freude an den Berufen rund um die Getränketechnologie zu vermitteln“.

Interessierte können auf der drinktec am Stand der Studenten in Halle B2 noch viel mehr über Studium, Forschung im Brauwesen und die jüngsten Bier-Kreationen des Wissenschaftszentrums in Weihenstephan erfahren. Außerdem schenken angehende Jungbrauer einige ihrer innovativen Sude aus und erklären auf Wunsch den Herstellungsprozess. Eine Area weiter finden Besucher außerdem Vorträge und Diskussionen rund um weitere Themen wie etwa Food und Bier, Frauen und Bier, beliebte Bierstile, Verpackung und Branding sowie auch zur Entwicklung des Rohstoffmarktes. Näheres hierzu im Rahmenprogramm der drinktec.

Mareike Hasenbeck

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